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Die Präventionsreihe „ICH entscheide“ – Präventivprojekt zur Thematik Zwangsheirat für Schüler/innen an Schulen in Niedersachsen

Im Schulverwaltungsblatt (Heft 2 / 2015) wurden die Grundzüge und Rahmenbedingungen des Präventivprojekts „ICH entscheide“ zur Thematik Zwangsheirat und Gewalt „im Namen der Ehre“ für Schülerinnen und Schüler an Schulen in Niedersachsen vorgestellt.


Die vom Niedersächsischen Sozialministerium geförderte, vom Kultusministerium unterstützte und vom Niedersächsischen Krisentelefon gegen Zwangsheirat/ kargah e.V. konzipierte und durchgeführte Aufklärungsreihe richtet sich an die Sekundarstufen I und II der allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in Niedersachsen. Zielgruppe des Angebots sind Mädchen und junge Frauen. Insgesamt wurden bisher vier Schulen (BBS/HS) mehrfach besucht. Der Kontakt zu den Schulen entstand durch die Veröffentlichung im Schulverwaltungsblatt und eine bereits bestehende Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Krisentelefon gegen Zwangsheirat/ kargah e.V.

Das Konzept des Präventivprojekts beinhaltet die Durchführung von Unterrichtseinheiten an Schulen sowie das Erstellen einer Handlungsempfehlung für Fachkräfte und Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren für die präventive Arbeit zu der Thematik Zwangsheirat/ Gewalt „im Namen der Ehre“.  In der Handlungsempfehlung werden die Erfahrungen der Mitarbeiterinnen von kargah e.V. für die präventive Arbeit in den Schulen ausführlich reflektiert und evaluiert dargestellt, um einen Leitfaden für die präventive Arbeit zu bieten.

Das Ursprungskonzept für die Präventionsreihe an Schulen sah vor, dass die Mitarbeiterinnen des Krisentelefons mit einer Lehrerin in klassenübergreifenden Mädchengruppen à maximal 20 Schülerinnen die Unterrichtseinheit in einer Doppelstunde durchführen. Die Klassen wiesen oftmals eine Mischung von Mädchen aus Familien mit Migrationshintergrund und Mädchen aus herkunftsdeutschen Familien auf. Die Erfahrungen der Mitarbeiterinnen in den Unterrichtseinheiten mit den meist zwischen 14-17 Jährigen zeigten, dass einige ursprünglich vorgesehene Module in der Praxis zu verändern waren, um die jungen Frauen problemangemessen zu erreichen. Aufgrund der gesammelten Praxiserfahrungen wurde das Ursprungsmodell bedarfsgerecht modifiziert. Die Änderungsvorschläge wurden sodann in nachfolgend durchgeführte Unterrichtseinheiten eingearbeitet.

Parallel haben sich die männlichen Schüler der Klassen unter Leitung einer männlichen Lehrkraft mit Materialien des Krisentelefons ebenfalls mit der Thematik auseinandergesetzt. Nach Durchführung der Unterrichtseinheiten hatten die Lehrkräfte die Möglichkeit, mit den Mitarbeiterinnen des Krisentelefons den Unterricht zu reflektieren und die Fragen der Jungen mit den Fachfrauen zu erörtern, sodass die Lehrer auf die Fragen der Schüler im Nachhinein intensiver und bedarfsgerecht eingehen konnten. Dieser Ansatz scheint erfolgversprechend zu sein.

Die Mitarbeiterinnen des Krisentelefons wurden in den Unterrichtseinheiten mit den jungen Frauen mit unterschiedlichen Reaktionen und Einstellungen zur Thematik und auch auf die eigenen Positionen als Beraterinnen und Fachfrauen konfrontiert. Themen wie Islam, medial intensivierte und geschürte Vorurteile und eigene Rassismuserfahrungen beschäftigten die jungen Frauen ebenso intensiv wie das Hinterfragen von Geschlechterrollen, patriarchalen Familienstrukturen und die Gleichstellung der Geschlechter.

Interessant zu beobachten war in diesem Zusammenhang, wie die jungen Frauen untereinander mit der Thematik umgingen, wie empathisch sie sich in die Situationen der Betroffenen hineinversetzten und welche möglichen Hintergründe wie Religion, Tradition und Kultur sie in der Diskussion untereinander für diese Menschenrechtsverletzung thematisierten und als Schwerpunkte wählten. Auch in der Zusammenarbeit miteinander waren in vereinzelten Durchgängen zwischen den jungen Frauen stigmatisierende und diskriminierende Vorfälle und Situationen zu beobachten, welche die Fachfrauen von kargah e.V. aufgriffen und in der Gruppe reflektierten.

Die bisher durchgeführten Unterrichtseinheiten stellten sich für die Mitarbeiterinnen des Krisentelefons wie erwartet als wichtige Bausteine in der Präventionsarbeit zum Thema Zwangsheirat dar. Die Schule ist oft der einzige Ort, an dem Betroffene erreicht werden können und die notwendige Bewusstseinsbildung ihres Umfelds stattfinden kann. Viele Mädchen und junge Frauen suchten noch in der Unterrichtseinheit selbst oder aber im Einzel- oder Gruppengespräch nach dem Unterricht Rat und Unterstützungsmöglichkeiten für die eigene Situation als Betroffene oder die von Freundinnen oder Bekannten. Das Niedersächsische Krisentelefon gegen Zwangsheirat/ kargah e.V. erhielt auch im Anschluss Anrufe von jungen Frauen aus den Schulen oder deren Freundinnen, die gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen individuelle Lösungsmöglichkeiten für ihre Situation suchten.

Besonders vor dem Hintergrund, dass sich die Sommerferien nähern und das Krisentelefon oftmals in dieser Zeit Fälle von sogenannten Auslandsverschleppungen zum Zwecke einer Zwangsheirat verzeichnet, ist es wichtig, dass junge Menschen das in Deutschland bestehende Hilfenetz kennen. Das Niedersächsische Krisentelefon gegen Zwangsheirat/ kargah e.V. bietet von Zwangsheirat Betroffenen und Bedrohten, in Zwangsehen Lebenden sowie außenstehenden Personen, die mit den Betroffenen im Kontakt stehen, transkulturelle Beratung sowie bei Bedarf Weitervermittlung an weiterführende Beratungsangebote oder Unterbringungsmöglichkeiten an.
Nähere Informationen zu dem Präventivprojekt erhalten Sie unter folgender Telefonnummer: 511/ 12 60 78 26.

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